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Angststörungen machen krank

Wie entstehen Angststörungen?

Es gibt unzählige, sehr unterschiedliche Theorien zur Entstehung von Angst und Angststörungen, aber nur sehr wenige konkrete Beweise, die diese Theorien untermauern. Eine erste Gruppe von Theorien bezieht sich auf biologische Ursachen, insbesondere auf genetische Faktoren, eine zweite auf lerntheoretische Aspekte, vor allem auf die Erziehung, eine dritte auf traumatische Erlebnisse und andere Life-events, und eine vierte auf die Auswirkungen von Stressfaktoren. Dabei sollte jedoch von vorneherein klargestellt sein, dass, aus wissenschaftlicher Sicht, die Ursachen von krankhafter Angst und von Angststörungen bislang nur ansatzweise bekannt sind.

Genetische Faktoren

Es wird seit Langem vermutet, dass es eine genetische Veranlagung für übermäßige Ängstlichkeit und für Angststörungen gibt. Verschiedene Menschen scheinen eine besonders hohe Vulnerabilität für Angststörungen zu haben, das heißt, ein größeres Risiko als die meisten Menschen, an einer Angststörung zu erkranken. Diese Vermutung stützt sich auf die Resultate von Familienstudien, aus denen hervorgeht, dass die meisten Angststörungen vermehrt in bestimmten Familien vorkommen. Wenn in einer Familie eine Person an einer Angststörung leidet, findet sich oft ein weiteres Familienmitglied mit der gleichen oder einer anderen Angststörung unter ihren Verwandten ersten Grades. Des Weiteren haben Studien bei eineiigen Zwillingen gezeigt, dass bestimmte Angststörungen, insbesondere Soziale Phobien, erstaunlich oft beide Zwillinge treffen.

Lerntheoretische Aspekte

Aus lerntheoretischer Sicht geht man davon aus, dass Angst und Angststörungen erlernt werden können. Verfechter dieser Theorie sprechen diesbezüglich von „Modell-Lernen oder „modeling“. Wenn Vater oder Mutter überängstlich sind, liegt die Vermutung nahe, dass ihre Ängstlichkeit sich auf ihre Kinder übertragen wird. Wenn Vater oder Mutter vermeiden, einen Fahrstuhl zu benutzen, zögern, auf andere Menschen zuzugehen, sich ständig die Hände waschen oder zigmal nachsehen, ob der Herd aus ist, hoffen, dass nichts Schlimmes passiert ist, wenn der eine oder andere von ihnen sich verspätet, oder zusammenschrecken, wenn sie eine Spinne sehen, dann kann man sich schon fragen, welchen Einfluss diese Ängste auf die Kinder haben können. In der Tat berichten Patienten, die an einer Angststörung leiden, oft davon, dass Vater oder Mutter in bestimmten Situationen aufschreckten, ständig auf bestimmte Gefahren aufmerksam machten und vor allen möglichen Situationen, Objekten, Subjekten oder Personen warnten. Dies ist jedoch nicht immer der Fall, und viele Kinder scheinen eigentlich ganz gut mit den Ängsten ihrer Eltern fertig zu werden.

Traumatische Erlebnisse

Angst vor bestimmten Situationen, Objekten, Subjekten oder Personen kann auch durch traumatisierende Erlebnisse ausgelöst oder erlernt werden. Ein Fahrstuhl, der längere Zeit stecken bleibt, ein Flugzeug, das in ein Luftloch absackt, der Biss eines Hundes können zu einer Klaustrophobie, einer Angst vorm Fliegen oder einer Hundephobie führen. Patienten, die an einer Panikstörung leiden, berichten des Öfteren vom plötzlichen Tod eines Kollegen in den Wochen vor ihrer ersten Panikattacke. Menschen, die an einer Sozialen Angststörung leiden, berichten des Öfteren über unglückliche soziale Erfahrungen während ihrer Kindheit oder Adoleszenz, in der Grundschule oder auch später, im Sekundarunterricht. Es ist jedoch nicht immer leicht, von dem, was damals war, auf das, was heute ist, zu schließen und einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Ereignissen aus der Vergangenheit und der jetzigen Angststörung herzustellen.
Besser abgesichert ist die Verbindung zwischen anhaltendem Stress in der Gegenwart (Probleme am Arbeitsplatz, in der Partnerschaft, mit Kindern/Eltern, körperliche Krankheiten) und dem Wiederauftreten oder der Verschlimmerung einer vorher bestehenden Angststörung.

Biologische Ursachen

  • Genetik
  • Geerbte Vulnerabilitätsfaktoren
  • Erworbene Vulnerabilitätsfaktoren

Modell-Lernen

  • In der Familie
  • In der Schule
  • In den Medien

Traumatische Erlebnisse

  • In der Kindheit
  • In der Jugend
  • Im Erwachsenenalter

Stress

  • Durch Beruf
  • Durch Familie
  • Durch Krankheit

Angststörung aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors

Angst und Angststörungen sind oft die direkten Folgen eines medizinischen Krankheitsfaktors. Es ist demnach von größter Wichtigkeit, dass Patienten/Klienten, die an einer Angststörung leiden, immer gründlich von einem Arzt auf ihre körperliche Gesundheit untersucht werden, bevor die Diagnose einer psychischen Angststörung in Erwägung gezogen wird, und dass der medizinische Krankheitsfaktor, soweit dies möglich ist, von dem Hausarzt oder zuständigen Spezialisten behandelt wird. Symptome, die häufig in Verbindung mit medizinischen Krankheitsfaktoren auftreten, sind vor allem Panikattacken sowie ausgeprägte, generalisierte Angstsymptome wie zum Beispiel Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit, Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Bauchbeschwerden.

Substanzinduzierte Angststörungen

Angst und Angststörungen können häufig auf die direkte Wirkung einer Substanz zurückgeführt werden. Dabei handelt es sich vor allem um Alkohol oder illegale Drogen, aber auch um Medikamente und, in seltenen Fällen, um Toxine. Es ist demnach von größter Wichtigkeit, dass Patienten/Klienten, die an einer Angststörung leiden, immer ausdrücklich darüber befragt werden, ob und welche Medikamente sie nehmen, ob und wie viel Alkohol sie trinken, ob und wie viel sie rauchen, ob und wie viel Kaffee sie trinken, ob sie illegale Drogen nehmen, und wenn ja, welche, wie oft, und in welcher Quantität, was und wo sie arbeiten. Bei Verdacht auf eine substanzinduzierte Angststörung müssen Patienten/Klienten in einer ersten Etappe von einem Arzt untersucht und behandelt werden.

Angststörungen und andere psychische Störungen

Angstsymptome wie zum Beispiel Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit, Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Magenbeschwerden gibt es nicht nur bei Angststörungen, sondern auch bei vielen anderen psychischen Störungen. Selbst voll ausgeprägte Angststörungen, zum Beispiel eine Panikstörung oder eine Generalisierte Angststörung, werden häufig bei anderen psychischen Störungen angetroffen. Dabei können Angststörungen zuerst, das heißt vor dem Beginn einer anderen psychischen Störung, gleichzeitig mit einer anderen psychischen Störung, oder auch während oder nach einer anderen psychischen Störung, auftreten. Die häufigsten psychischen Störungen, die auf einem dieser Wege mit Ängsten oder Angststörungen einhergehen, sind depressive, psychotische und somatoforme Störungen. Diese Störungen müssen erkannt werden, denn sie bedürfen oft einer vorrangigen, eigenständigen Behandlung, bei der die Beachtung der Angststörung gegebenenfalls zeitweilig zurückgestellt werden muss.

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