Agoraphobie

Das wesentliche Kennzeichen einer Agoraphobie ist die Angst, an Orten zu sein, von denen eine Flucht schwierig oder peinlich sein könnte oder wo im Falle einer unerwarteten Panikattacke Hilfe nicht erreichbar sein könnte. Dabei bezieht der Begriff Agoraphobie sich nicht nur auf Ängste vor offenen Plätzen, sondern auch auf die Angst, Geschäfte zu betreten, sich in eine Menschenmenge zu begeben, allein in Zügen, Bussen oder Flugzeugen zu reisen, auf die Schwierigkeit, sich wieder sofort und leicht an einen sicheren Ort, im Allgemeinen nach Hause, zurückziehen zu können, und vieles andere mehr. Die Angst auslösenden Situationen werden vermieden oder nur mit deutlichem Unbehagen durchgestanden. Die Agoraphobie kann mit verhaltenstherapeutischen Verfahren behandelt werden, insbesondere mit dem Verfahren der graduierten Reizkonfrontation.

Angst vor Orten, an denen eine Flucht schwierig wäre

Eine Agoraphobie ist ursprünglich eine Angst vor offenen Plätzen. In den derzeitigen Klassifikationssystemen hat der Begriff jedoch eine weiter gefasste Bedeutung und bezieht sich nicht nur auf Ängste vor offenen Plätzen, sondern auch auf Menschenmengen oder auf die Schwierigkeit, sich sofort und leicht an einen sicheren Ort, im Allgemeinen nach Hause, zurückziehen zu können. In seiner jetzigen Bedeutung beschreibt der Ausdruck eine Gruppe von Phobien mit der Angst das eigene Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in einer Warteschlange zu stehen, in einem Stau zu stecken, sich in eine Menschenmenge oder auf öffentliche Plätze zu begeben oder alleine in Zügen, Bussen oder Flugzeugen zu reisen.

Die gefürchteten Orte werden vermieden oder nur mit deutlichem Unbehagen durchgestanden oder können nur in Begleitung aufgesucht werden. Furcht und Vermeiden betreffen viele verschiedene Orte. Betroffene haben die Einsicht, dass ihre Angst übertrieben ist, und genieren sich mit andern darüber zu sprechen. Sie finden immer wieder Entschuldigungen und Ausflüchte, die ihnen ermöglichen, nicht oder nicht allein an bestimmte Orte gehen zu müssen.

Die Agoraphobie ist oft die Folge einer Panikstörung. In dieser Form von Agoraphobie bezieht sich die Angst darauf, sich an Orten oder in Situationen zu befinden, wo beim Auftreten einer Panikattacke oder panikartiger Symptome eine Flucht nur schwer möglich (oder peinlich) wäre oder wo schnelle Hilfe nicht verfügbar wäre.

Zahlen zur Agoraphobie

Etwa 1-2% der Bevölkerung leidet irgendwann in ihrem Leben an einer Agoraphobie (mit oder ohne Panikstörung, siehe Kapitel 15). Die Störung kann in jedem Alter auftreten, beginnt jedoch meist zwischen Adoleszenz und Mitte 30. Sie hat einen schwankenden Verlauf und neigt dazu, ohne Behandlung chronisch zu werden oder sich weiter zu verschlimmern.

Ursachen der Agoraphobie

An ihrer Entstehung und Entwicklung sind wahrscheinlich eine ganze Reihe von Faktoren beteiligt. Wie bei den meisten Angststörungen spielen auch bei der Agoraphobie ganz unterschiedliche Vulnerabilitätsfaktoren eine Rolle. Genetische Faktoren tragen dazu bei, dass manche Menschen in einem höheren Maß verwundbar sind als andere. Aber auch Erlebnisse, in der Kindheit oder später, können einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung einer Agoraphobie haben, insbesondere der frühzeitige Tod von Vater oder Mutter, durch Krankheit oder Unfall, oder der plötzliche Tod von Freunden oder Kollegen, vornehmlich durch einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Auch der plötzliche Verlust des Arbeitsplatzes, die Trennung vom Lebenspartner, Aggressionen, Unfälle und andere traumatische Erlebnisse sowie ständiger, übermäßiger Stress und Burn-out-Syndrom sind Risikofaktoren für die Störung.

Mögliche Folgen einer Agoraphobie

Obwohl es Unterschiede im Schweregrad der Angst und im Ausmaß des Vermeidungsverhaltens gibt, bleibt doch allgemein gültig, dass die Agoraphobie eine besonders einschränkende Störung ist. In extremen Fällen trauen sich Betroffene nicht mehr aus ihrem Haus. Aber auch in weniger gravierenden Fällen leiden sie schwer an ihren Ängsten und an den Auswirkungen, die sie auf ihre normale Lebensführung, auf berufliche oder schulische Leistung und auf soziale Aktivitäten und Beziehungen haben. Die Beeinträchtigung kann Betroffene daran hindern zur Arbeit zu fahren, Lebensmittel einzukaufen, mit den Kindern zum Arzt zu gehen. Selbstbewusstsein und Lebensqualität sinken. Es kommt häufig zu Depressionen und zu Missbrauch von Alkohol und Medikamenten, insbesondere von Beruhigungsmitteln.

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