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Angststörungen machen krank

Wer kann mir helfen?

 

An wen kann ich mich wenden?

Sie können sich zunächst an Ihren Hausarzt wenden, oder direkt an einen Psychologen, Psychiater oder Psychotherapeuten.

Es gibt allerdings wichtige Unterschiede zwischen diesen drei Berufen.
Wer sind diese Professionelle des Gesundheitswesens also? Wie können sie helfen? Was kostet das? Wie kann man sie erreichen?

In dieser Broschüre werden die verschiedenen Berufe im Bereich der psychischen Gesundheit vorgestellt, um Sie bei der Suche nach einer geeigneten Hilfestellung zu unterstützen.

Wann Hilfe suchen?

Je früher desto besser. Sprechen Sie mit einem Experten, sobald:

  • Sie (oder Ihre Angehörigen) Stimmungsschwankungen, Veränderungen des Verhaltens, in Ihren Beziehungen zu anderen oder ihrer körperlichen Verfassung feststellen,
  • Sie unter Störungen leiden, die Ihre übliche Funktionsweise beeinträchtigen: soziale und intellektuelle Auswirkungen, Energielosigkeit, Müdigkeit…
  • Sie Probleme mit einer Abhängigkeit, oder Schwierigkeiten bei der Bewältigung einer bestimmten Lebenssituation erleben…

Je schneller Sie handeln, umso größer sind Ihre Chancen auf eine rasche Genesung und umso kleiner wird die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls.

Die Psychologen

Was ist ein Psychologe?

Psychologen sind Experten der Psyche und des menschlichen Verhaltens. Klinische Psychologen sind auf psychische Störungen spezialisiert.
Psychologen haben in der Regel ein Masterstudium der Psychologie [1] (Abitur +4 oder 5) abgeschlossen, sind aber keine Ärzte. Viele Psychologen haben eine ergänzende Ausbildung der Psychotherapie absolviert und sind ebenfalls Psychotherapeuten (siehe Abschnitt „Die Psychotherapeuten“).

Wie kann ein Psychologe helfen?

Die Psychologen helfen beim Schutz, bei der Aufrechterhaltung oder der Verbesserung der psychischen Gesundheit, der Entwicklung bestimmter Fähigkeiten und der Förderung der gesellschaftlichen Integration in jedem Lebensabschnitt, zum Beispiel:

  • bei Zweifeln bzgl. Ihrer Kompetenzen, Ihres Lebens oder des Lebens eines Angehörigen,
  • bei Schwierigkeiten, sich Problemen zu stellen,
  • bei Umorientierungen, bei der Verbesserung von Schulnoten oder der Arbeitsleistung,
  • bei der Stresslinderung,
  • bei Fragen zur gesunden Entwicklung Ihrer Kinder, …

Sie hören zu, begleiten, unterstützen und beraten. Ihre Arbeit kann von einem einfachen Beratungsgespräch bis hin zu einer komplexeren und langfristigen Betreuung reichen. Sie können bestimmte anerkannte psychologische Tests durchführen (zur Persönlichkeit, Psychopathologien, Fähigkeiten…).

Die Dauer einer Beratungssitzung liegt generell bei 30 bis 90 Minuten.

Finanzierung

  • Bei Freiberuflern ist der Tarif der Sitzung dem Psychologen überlassen (in der Regel 70 bis 140 €) und wird nicht von der Nationalen Gesundheitskasse (CNS) erstattet.
  • Für Kinder und junge Erwachsene bis 27 Jahre übernimmt das Nationale Kinderbüro (Office national de l'enfance - ONE) die Kosten oder einen Teil der Kosten für sychologische Beratungen bei Partnerpsychologen (Bedingungen unter: http://www.men.public.lu/fr/aide-assistance/aide-enfance/02-aide-cadre-familial/index.html)
  • In bestimmten konventionierten Strukturen und in Schulen sind die Beratungen kostenlos.

Wo findet man einen Psychologen?

  • Im Verzeichnis der Psychologen der Luxemburgischen Gesellschaft für Psychologie (SLP): www.slp.lu/de/ein-psy-finden/ mit der Möglichkeit der Suche nach mehreren Kriterien (Ort, gesprochene Sprachen, behandelte Probleme usw.).
  • In der Liste der Partnerpsychologen des ONE: http://www.men.public.lu/fr/aide-assistance/aide-enfance/02-aide-cadre-familial/01-consultation-psychologique.pdf
  • Im (Online-)Telefonverzeichnis.

Die Psychiater

Was ist ein Psychiater?

  • Die Psychiater sind Ärzte. Nach ihrem Studium der Medizin (Abitur +6 oder +7) haben sie sich während 4 bis 5 Jahren im Bereich der Psychiatrie, also in der Behandlung von Patienten mit psychischen Störungen spezialisiert.
  • Die Pädopsychiater sind Psychiater, die sich auf psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen sowie auf Störungen der Mutter-Kind-Bindung ab Beginn der Schwangerschaft spezialisiert haben.

Die große Mehrheit der Psychiater sind ebenfalls Psychotherapeuten (siehe Abschnitt „Die Psychotherapeuten“).

Wie kann ein Psychiater helfen?

Psychiater sind qualifiziert, psychische Störungen zu erkennen und zu behandeln. Als Ärzte können sie ferner:

  • Diagnosen unter Berücksichtigung biologischer, psychischer, beziehungsmäßiger und umweltspezifischer Aspekte erstellen;
  • somatische Krankheiten als Ursache psychischer Symptome ausschließen;
  • zusätzliche Untersuchungen verschreiben (z.B. Blutbild, Röntgen, Scanner usw.);
  • eine medikamentöse Behandlung verschreiben und überwachen;
  • Indikationen abgeben und/oder eine psychotherapeutische Behandlung einleiten;
  • Multidisziplinäre Behandlungen in die Wege leiten.

Je nach Grund der Beratung kann die Sitzungsdauer zwischen 15 und 90 Minuten liegen. Die Häufigkeit der Termine ist von der Indikation und von der Art der Betreuung abhängig.

Finanzierung

  • Die Beratungstarife bei einem Psychiater werden von der Nationalen Gesundheitskasse (CNS) festgelegt und zu 88 % bei Erwachsenen und 100 % bei Kindern erstattet.
  • In bestimmten konventionierten Strukturen sind die Beratungen kostenlos.

Wo findet man einen Psychiater?

  • Sie können sich bei Ihrem Hausarzt erkundigen.
  • Im (Online-)Telefonverzeichnis.
  • Die Seite www.collegemedical.lu führt alle Psychiater auf, die in Luxemburg praktizieren.

Die Psychotherapeuten

Was ist ein Psychotherapeut?

Psychotherapeuten sind Psychologen oder Ärzte (in der Mehrheit Psychiater), die eine Zusatzausbildung der Psychotherapie absolviert haben [2] . Der Beruf ist seit dem Jahre 2015 reglementiert.

Sie können in einer oder mehreren Methoden der Psychotherapie ausgebildet sein. Erkundigen Sie sich am besten direkt nach der therapeutischen Richtung ihres Therapeuten.

Wie kann ein Psychotherapeut helfen?

Die Psychotherapie ist eine psychologische Behandlung. Die Psychotherapeuten erstellen eine psychotherapeutische Diagnose und nehmen sich der Behandlung von psychischen Störungen, Verhaltensstörungen, emotionalem Leiden oder traumatisierenden Erlebnissen an.

Anvisierte, positive Veränderungen umfassen dabei z.B.:

  • eine Flexibilisierung der Gedanken,
  • einen besseren Umgang mit starken Emotionen,
  • die Anpassung von Verhaltensweisen,
  • eine Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen oder des Gesundheitszustandes…

Die Psychotherapie kann selbstständig erfolgen. Begleitend kann aber auch eine medikamentöse Behandlung indiziert sein.

Finanzierung

  • Die psychotherapeutischen Handlungen von Ärzten werden von der CNS erstattet.
  • Der Tarif der Sitzungen von freiberuflichen Nicht-Ärzten ist dem Psychotherapeuten überlassen (von 70 bis 140 Euro) und wird nicht erstattet [3].
  • Für Kinder und junge Erwachsene bis 27 Jahre übernimmt das Nationale Kinderbüro (Office national de l'enfance - ONE) die Kosten oder einen Teil der Kosten für psychologische Beratungen bei Partnerpsychologen (Bedingungen unter: http://www.men.public.lu/fr/aide-assistance/aide-enfance/02-aide-cadre-familial/index.html)
  • Beratungszentren oder sonstige öffentlich finanzierte Organisationen bieten kostenlose psychotherapeutische Behandlungen an.

Wo findet man einen Psychotherapeuten?

Sie finden weitere Informationen zu den verschiedenen psychotherapeutischen Methoden auf der Internetseite des Verbandes der Vereinigungen der Psychotherapeuten in Luxemburg (FAPSYLUX) www.fapsylux.lu, von der aus Sie zu den Internetseiten der Mitgliedsorganisationen weitergeleitet werden.


[1] Verschiedene Diplom-Psychologen setzen ihre Studien fort, indem sie ein Doktorat (PhD) der Psychologie absolvieren. Sie werden zu Doktoren der Psychologie, sind aber keine Ärzte.

[2] Während einer Übergangszeit von Juli 2015 bis 2018 konnten Sachverständige aus anderen Bildungsbereichen ebenfalls den Titel des Psychotherapeuten erhalten, sofern sie eine Psychotherapieausbildung abgelegt hatten und/oder eine klinische Tätigkeit während mindestens 5 Jahren nachweisen konnten. 

[3] Es laufen gegenwärtig Verhandlungen mit der CNS bezüglich der Erstattung der Kosten von psychotherapeutischen Behandlungen von Psychotherapeuten, die freiberuflich als Nicht-Ärzte praktizieren.

Die in Luxemburg anerkannten Psychotherapie-Methoden

  • Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
    Die KVT beruht auf den Wechselwirkungen zwischen Gedanken, Emotionen, Verhaltensweisen und deren Konsequenzen. Ein oder mehrere klare Ziele werden mit der Hilfe des Psychotherapeuten festgelegt. Nach Erreichen der Ziele kann die psychotherapeutische Behandlung beendet werden.
  • Die systemische Therapie und Familientherapien
    Bei diesen Therapien wird davon ausgegangen, dass Probleme oder Symptome einer Person mit Wechselwirkungen mit ihrer Umgebung (oder dem System) zusammenhängen. Die Therapie kann verschiedene Familienmitglieder einschließen, damit die Probleme verstanden und angemessene Lösungen gefunden werden können.
  • Der psychodynamische Ansatz
    Dieser Therapieansatz, der sich an die Psychoanalyse anlehnt und vor allem von Psychoanalytikern angewandt wird, zielt darauf ab, Konflikte und Traumata, die ins Unterbewusstsein verdrängt wurden, auf die bewusste Ebene zu bringen, um so aktuelles Leiden und derzeitige Störungen zu verstehen und/oder zu lindern.
  • Die humanistischen Therapien
    Der humanistische Ansatz beruht auf einer positiven Sicht des Menschen und seinem angeborenen Drang zur Selbstverwirklichung. Diese Therapien helfen bei der Mobilisierung der Kräfte des psychischen Wachstums und bei der Entwicklung des eigenen Potentials.

Denken Sie an Ihren Hausarzt!

  • Bestimmte psychische Symptome können körperlich bedingt sein. So kann zum Beispiel eine hormonelle Störung ähnliche Symptome wie die einer Depression hervorrufen.
  • Hausärzte haben Erfahrung mit Patienten, die unter psychischen Problemen leiden.
  • Hausärzte können:
    • zusätzliche Untersuchungen oder Analysen verschreiben,
    • medikamentöse Behandlungen vorschlagen,
    • Sie an einen Spezialisten verweisen,
    • Ihnen einen Psychotherapeuten empfehlen.
  • Ihr Hausarzt ist am besten über Ihren Gesundheitszustand und Ihren Lebenslauf informiert und kann ihre Behandlung koordinieren.
  • Hausärzte sind schnell und leicht erreichbar.

Warten Sie also nicht, bis Ihr Arzt Sie über Ihren psychologischen Zustand befragt, sondern reden Sie von sich aus über Symptome, die Sie stören oder beunruhigen.

Zum Abschluss

Die Qualität der Beziehung

Der Erfolg einer Behandlung der psychischen Gesundheit hängt von Ihrer Beziehung zum Behandler ab. Wenn Sie sich nicht wohl fühlen oder kein Vertrauen in den Behandler haben, ist es wichtig, dies anzusprechen. Wenn die Lage sich nach einigen Sitzungen nicht verbessert, suchen Sie einen anderen Behandler auf, mit dem Sie sich wohler fühlen und dem Sie sich anvertrauen möchten.

Die Dauer der Behandlung

Die Dauer kann von einer einzigen Sitzung bis zu einer langjährigen Behandlung reichen. Je nach Grund der Behandlung, dem Bedarf, der angewandten therapeutischen Methode (etc.) können die Sitzungen sehr weit auseinander liegen, sehr hochfrequent sein oder mit der Zeit variieren.

Die Psyche ist ein wichtiger Teil Ihrer Gesundheit

Nehmen Sie psychische Probleme genauso ernst wie jedes andere Gesundheitsproblem: Wenn ein oder mehrere Symptome fortbestehen und Ihr Wohlbefinden oder Ihre übliche Funktionsweise beeinträchtigten, wenden Sie sich an professionelle Hilfeleistende.

Danke
Diese Informationen wurden mit der Unterstützung des Cercle des Médecins Généralistes (CMG), der Luxemburgischen Gesellschaft für Psychiatrie, Pädopsychiatrie und Psychotherapie (SLPPP), der Luxemburgischen Gesellschaft für Psychologie (SLP) und des Verbandes der Vereinigungen der Psychotherapeuten in Luxemburg (FAPSYLUX) verwirklicht.

Was ist eine Angststörung

Angststörungen sind psychische Krankheiten, bei denen Menschen unter ausgeprägten und anhaltenden Ängsten leiden die jedoch unbegründet oder übertrieben sind. Die Ängste verursachen bedeutsames Leiden oder führen zu deutlichen Beeinträchtigungen im täglichen Leben...
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Welche Angststörungen gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Angststörungen, die durch unterschiedliche Symptome gekennzeichnet sind, unterschiedlich häufig auftreten und häufig auch einen unterschiedlichen Verlauf nehmen...
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Wie werden Angststörungen behandelt?

Heutzutage können Angststörungen im Rahmen einer Psychotherapie gut behandelt werden. Neben der Psychotherapie können je nach Krankheitsbild außerdem Medikamente angezeigt sein...
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Was können Angehörige tun?

Ebenso wie andere psychische Erkrankungen werden Angststörungen von der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen und aus Unkenntnis oft missverstanden. Wie alle kranken Menschen benötigen auch an einer Angststörung erkrankte Personen von ihrer Umgebung Verständnis und Unterstützung...
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